Für Künstler:innen, die ihre Arbeiten erstmals verkaufen oder ihre Preise überdenken möchten
Deine Kunst hat Wert – auch am Anfang
Ob Collage, Mixed Media auf Holz, Leinwand oder Papier: Wer beginnt, Kunst zu verkaufen, steht schnell vor der Frage der Preisgestaltung. Gerade im freien Kunstbereich wie Collage ist der Wert nicht klar definiert. Umso wichtiger ist es, selbstbewusst und nachvollziehbar zu kalkulieren – sowohl für dich als auch für deine Käufer:innen.
Methode 1: Nach Größe kalkulieren
Ein gängiges und einfach anwendbares Modell ist die Preisberechnung nach Bildfläche. Dabei wird der Preis pro Quadratzentimeter festgelegt.
Beispielrechnung:
Ein Werk in der Größe 40 x 50 cm hat eine Fläche von 2.000 cm². Je nach Erfahrungsstufe kann der Preis pro cm² unterschiedlich angesetzt werden.
| Erfahrungsstand | Preis/cm² | Gesamtpreis (Beispiel) |
|---|---|---|
| Einsteiger:in | 0,50 – 1,00 € | 1.000 – 2.000 € |
| Fortgeschritten | 1,50 – 3,00 € | 3.000 – 6.000 € |
Für sehr kleine Arbeiten empfiehlt es sich, einen Mindestpreis festzulegen – etwa 60 bis 80 Euro – um den Aufwand angemessen abzubilden.
Kunstpreise erscheinen oft hoch, weil man sie unbewusst mit industriell hergestellten Produkten vergleicht. Doch hinter jedem Werk steckt nicht nur das Bild an sich, sondern auch Zeitaufwand, Materialkosten, künstlerische Erfahrung und oft auch Galerieprovisionen. Jedes Werk ist ein Unikat – kein Massenprodukt. Wer Kunst erwirbt, investiert nicht nur in ein Bild, sondern in die Idee, die Handarbeit und den Weg der Künstler:in.
Methode 2: Zeit, Material und Präsentation
Eine alternative oder ergänzende Methode ist die Preisermittlung anhand deines tatsächlichen Aufwands. Dabei fließen folgende Faktoren ein:
- Arbeitszeit x Stundensatz
- Materialkosten (z. B. Kleber, Papier, Resin, Rahmen)
- Präsentationskosten (z. B. Rahmung, Oberflächenbehandlung)
Beispiel:
6 Stunden Arbeit à 30 € = 180 €
Materialkosten = 40 €
Rahmen = 50 €
Gesamtpreis: 270 €
Diese Methode eignet sich besonders bei Auftragsarbeiten oder aufwändigeren Unikaten.
Zusätzliche Überlegungen
Versand und Verpackung
Je nach Werkgröße und -art können Versandkosten stark variieren. Auch Verpackungsmaterial, Rahmen oder Transportversicherungen sollten berücksichtigt werden.
Online-Verkauf
Verkauf über Plattformen wie Etsy oder eigene Webshops verursacht Gebühren und Transaktionskosten. Diese sollten Teil deiner Kalkulation sein.
Rahmung und Formate
Standardgrößen wie 30 x 40 cm oder 40 x 50 cm erleichtern günstige Rahmung und senken Verpackungs- und Versandkosten. Alternativ lässt sich durch individuelles Passepartout ein ungewöhnliches Format in einen Standardrahmen einpassen.
Kunstdrucke als Ergänzung
Drucke deiner Originalwerke – offen oder als limitierte Edition – bieten eine attraktive Möglichkeit, mehr Menschen zu erreichen. Sie senken die Einstiegshürde für Käufer:innen und helfen dir, regelmäßig Einnahmen zu generieren, auch wenn das Original bereits verkauft ist oder nicht veräußert werden soll.
Weiterführender Einblick
Du möchtest noch tiefer in die Thematik eintauchen? Flanzella – eine erfahrene Collage-Künstlerin teilt in diesem Video ihre Herangehensweise an Preisgestaltung, Erfahrungen aus dem Verkauf und praktische Tipps zur Umsetzung – insbesondere für den Einstieg.
Video: Different Ways to Price Original Artworks
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Mehr InformationenPreisrechner-Vorlage
Contemporary Art Issue bietet eine Excel-Vorlage an, um den Preis für dein Werk anhand verschiedener Faktoren zu kalkulieren. Das kann eine schnelle und strukturierte Option sein, um den Wert deiner Kunst zu berechnen.
Fazit
Eine klare und faire Preisgestaltung ist kein starres System, sondern ein Prozess, der sich entwickeln darf – genau wie die eigene künstlerische Praxis. Ob du über Fläche, Zeit und Material kalkulierst oder verschiedene Methoden kombinierst: Wichtig ist, dass deine Preise für dich stimmig sind – realistisch, nachvollziehbar und nachhaltig.
Besonders bei Collage- und Mixed-Media-Arbeiten kann es hilfreich sein, sowohl den materiellen Aufwand als auch den künstlerischen Wert sichtbar zu machen. Standardgrößen, transparente Versandkosten und zusätzliche Angebote wie Drucke können dabei helfen, den Einstieg in den Verkauf zu erleichtern.
Wir sind keine Expert:innen – noch nicht. Alles, was du hier gelesen hast, basiert auf unseren bisherigen Erfahrungen, auf Gesprächen mit anderen Kunstschaffenden und auf dem Austausch rund um unsere erste gemeinsame Vernissage.
Unsere Ansätze sind kein Lehrbuch – sondern ein Beitrag zum Mitdenken, Diskutieren und Weiterentwickeln.
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